Was ist IGuKS?
Gebärden verstehen. Sprache fördern. Inklusion leben.
IGuKS steht für Inklusionspädagogische Gebärden- unterstützte Kommunikation und Sprachbildung. Entwickelt wurde das Konzept von Birger Holz als Weiterentwicklung der GuK-Methode nach Etta Wilken. Es verbindet die Methode mit alltagsintegrierter Sprachbildung und einer inklusiven Haltung.
Dabei werden ausgewählte Gebärden parallel zur gesprochenen Sprache eingesetzt. Sie machen zentrale Wörter sichtbar und geben Menschen, die nicht, noch nicht oder nicht (mehr) ausreichend sprechen können, eine zusätzliche Möglichkeit, Sprache zu verstehen und sich mitzuteilen.
IGuKS richtet sich an Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Das Konzept kann sowohl in pädagogischen Einrichtungen und Familien als auch in therapeutischen und pflegerischen Zusammenhängen eingesetzt werden.
Wie wird IGuKS in Kita, Kindertagespflege und Krippe eingesetzt?
In Kitas, Kindertagespflegestellen und Krippen wird IGuKS mit der ganzen Gruppe eingesetzt, nicht nur mit einzelnen Kindern mit diagnostiziertem Förderbedarf. Die Gebärden werden im gemeinsamen Alltag der gesamten Gruppe verwendet: beim Ankommen, Spielen, Essen, Singen, Vorlesen, Wickeln, Anziehen und in wiederkehrenden Ritualen.
So entsteht eine Kommunikationsumgebung, in der unterschiedliche sprachliche Voraussetzungen selbstverständlich berücksichtigt werden. Auch Kinder ohne besonderen Förderbedarf können die Gebärden kennenlernen und im gemeinsamen Alltag verwenden.
Kann IGuKS in Logopädie und Ergotherapie eingesetzt werden?
IGuKS kann auch in der Logopädie und Ergotherapie eingesetzt werden. Dort können Gebärden die therapeutische Kommunikation ergänzen und Menschen dabei unterstützen, Bedürfnisse, Entscheidungen und Gedanken verständlich auszudrücken.
Gebärden können insbesondere dann hilfreich sein, wenn gesprochene Wörter nicht oder nur eingeschränkt zur Verfügung stehen. Sie geben Therapeutinnen und Therapeuten, Betroffenen sowie Angehörigen ein zusätzliches Kommunikationsmittel an die Hand.
Der Einsatz wird an die individuellen sprachlichen, kognitiven und motorischen Möglichkeiten des jeweiligen Menschen angepasst. IGuKS ersetzt dabei weder eine logopädische oder ergotherapeutische Diagnostik noch eine individuell geplante Therapie. Es kann diese jedoch im Alltag und in der direkten Verständigung sinnvoll ergänzen.
Kann IGuKS auch Erwachsenen helfen?
IGuKS unterstützt auch Erwachsene, die ihre sprachlichen Fähigkeiten durch eine Erkrankung oder Verletzung ganz oder teilweise verloren haben. Mögliche Ursachen sind beispielsweise:
- ein Schlaganfall,
- ein Schädel-Hirn-Trauma nach einem Unfall,
- eine Hirnblutung,
- neurologische Erkrankungen,
- fortschreitende demenzielle Erkrankungen,
- oder andere erworbene Beeinträchtigungen von Sprache und Sprechen.
Bei einer Aphasie können unter anderem das Sprechen, das Sprachverständnis, das Lesen und das Schreiben betroffen sein. Wie stark diese Fähigkeiten beeinträchtigt sind, ist von Mensch zu Mensch verschieden.
Ausgewählte Gebärden, Mimik und Zeigegesten können die Kommunikation ergänzen. Sie können dabei helfen, wichtige Bedürfnisse sichtbar zu machen, Wahlmöglichkeiten auszudrücken und die Verständigung mit Angehörigen, therapeutischen Fachkräften und Betreuungspersonen zu erleichtern.
Auch bei einer Demenz können vertraute, wiederkehrende Gebärden die Kommunikation unterstützen. Voraussetzung ist immer, dass ihre Verwendung zu den individuellen Fähigkeiten und Bedürfnissen der betroffenen Person passt.
Was ist GuK?
GuK bedeutet Gebärden- unterstützte Kommunikation. Die Methode wurde von Prof. Etta Wilken in den 1990er Jahren zur Unterstützung des Spracherwerbs entwickelt. Sie gehört zum Bereich der Unterstützten Kommunikation.
Bei GuK wird, wie bei IGuKS, nicht jedes Wort eines Satzes gebärdet. Die Bezugsperson spricht weiterhin und begleitet lediglich wichtige Schlüsselwörter mit ausgewählten, vergleichsweise einfachen Gebärden. Ein Satz wie „Möchtest du etwas trinken?“ kann beispielsweise durch die Gebärde für „trinken“ unterstützt werden.
Die Gebärden sollen die Lautsprache nicht ersetzen. Sie eröffnen dem Kind eine zusätzliche Ausdrucksmöglichkeit und machen gesprochene Begriffe sichtbar. In der klassischen GuK-Förderung kann ihr Gebrauch schrittweise zurückgehen, sobald sich das Kind ausreichend lautsprachlich verständigen kann.
GuK wurde insbesondere für Kinder mit verzögerter Lautsprachentwicklung entwickelt. Bekannt wurde die Methode vor allem durch ihren Einsatz bei Kindern mit Down-Syndrom. Sie wird jedoch auch bei anderen Sprachentwicklungsverzögerungen und bei eingeschränktem Hörvermögen eingesetzt.
Was unterscheidet IGuKS von GuK?
Kurz gesagt: GuK ist eine Fördermethode für die Sprachanbahnung, IGuKS ein Konzept für gemeinsame Kommunikation in allen Lebensphasen. GuK bildet die methodische Grundlage: Gesprochene Sprache wird durch Gebärden zu ausgewählten Schlüsselwörtern unterstützt.
IGuKS greift dieses Prinzip auf und erweitert es um eine inklusionspädagogische, alltagsintegrierte und lebensphasenübergreifende Perspektive. Gebärden werden nicht ausschließlich als zeitlich begrenztes Fördermittel für einzelne Kinder verstanden. Sie können zu einem selbstverständlichen Bestandteil der Kommunikation in pädagogischen, therapeutischen, familiären und pflegerischen Zusammenhängen werden.
Die wichtigsten Unterschiede im Überblick:
| GuK | IGuKS |
|---|---|
| Methode der Gebärden- unterstützten Kommunikation nach Etta Wilken. | Inklusionspädagogische Erweiterung mit den Schwerpunkten Kommunikation, Teilhabe und Sprachbildung, weiterentwickelt von Birger Holz. |
| Ursprünglich zur Unterstützung von Kindern mit verzögerter Lautsprachentwicklung entwickelt. | Richtet sich an Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die nicht, noch nicht oder nicht mehr ausreichend sprechen können. |
| Fokus auf ausgewählte Schlüsselwörter und die individuelle Sprachanbahnung. | Verbindet Gebärden mit Alltag, Pädagogik, Therapie, Teilhabe und Sprachbildung. |
| Vor allem im familiären, frühpädagogischen und sonderpädagogischen Umfeld eingesetzt. | Kann auch in Logopädie, Ergotherapie, Pflege, Betreuung und Rehabilitation eingesetzt werden. |
| Gebärden können mit zunehmender Lautsprache schrittweise zurückgenommen werden. | Gebärden können so lange genutzt werden, wie sie Kommunikation und Teilhabe unterstützen. |
| Anwendung durch einzelne Bezugspersonen oder Fachkräfte möglich. | Ziel ist eine gemeinsame und verlässlich im Team oder im persönlichen Umfeld verankerte Praxis. |
IGuKS ist somit keine Konkurrenz zur klassischen GuK-Methode. Das Konzept greift deren Grundidee auf und überträgt sie auf unterschiedliche Lebensphasen und Anwendungsbereiche. Es verbindet Gebärden- unterstützte Kommunikation mit Sprachbildung, Therapie, Begleitung und gesellschaftlicher Teilhabe.
Für wen eignet sich IGuKS?
IGuKS kann unter anderem Menschen unterstützen,
- die noch nicht oder erst wenig sprechen,
- deren Sprachentwicklung verzögert verläuft,
- die mit Down-Syndrom oder einer anderen Behinderung leben,
- Menschen im Autismus-Spektrum,
- die eine Hörbeeinträchtigung haben,
- die mehrsprachig aufwachsen,
- die Deutsch als weitere Sprache erwerben,
- die gesprochene Informationen leichter verstehen, wenn diese zusätzlich sichtbar gemacht werden,
- die nach einem Schlaganfall oder Unfall sprachliche Fähigkeiten verloren haben,
- die mit einer Aphasie oder einer anderen erworbenen Kommunikationsbeeinträchtigung leben,
- oder deren sprachliche Möglichkeiten sich infolge einer Demenz verändern.
Entscheidend ist nicht allein eine Diagnose, sondern die individuelle Frage:
Wie können wir einem Menschen ermöglichen, zu verstehen, sich auszudrücken, Entscheidungen zu treffen und am gemeinsamen Leben teilzuhaben?
Was bietet die IGuKS-Plattform?
IGuKS unterstützt Familien, Fachkräfte und Einrichtungen dabei, Gebärden- unterstützte Kommunikation nachhaltig in den Alltag zu integrieren. Die Plattform richtet sich unter anderem an pädagogische Fachkräfte, Kindertagespflegepersonen, Logopädinnen und Logopäden, Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten, Betreuungskräfte, Einrichtungen und Angehörige.
Die Plattform bietet:
- Fortbildungen und fachliche Begleitung,
- Materialien und Gebärdenbilder für die Praxis,
- Supervision und Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch,
- eine Suche nach teilnehmenden Einrichtungen und Praxen,
- Vernetzung zwischen Fachkräften, Betroffenen und Familien,
- sowie einen Zertifizierungsweg für Einrichtungen.
Im Zertifizierungsprozess wird das gesamte Team einbezogen. Dadurch soll das Wissen nicht bei einzelnen Fachkräften verbleiben, sondern zu einer gemeinsamen und verlässlichen Haltung der Einrichtung werden.
Kommunikation ist in jeder Lebensphase möglich
Kinder verstehen häufig mehr, als sie bereits lautsprachlich ausdrücken können. Erwachsene können durch Erkrankungen oder Verletzungen die Fähigkeit verlieren, ihre Gedanken und Bedürfnisse wie gewohnt in Worte zu fassen.
Gebärden können helfen, solche Kommunikationslücken zu überbrücken. Sie machen Sprache sichtbar, erleichtern Verständigung und eröffnen zusätzliche Möglichkeiten, Wünsche, Bedürfnisse und Entscheidungen auszudrücken.
IGuKS verbindet diese Möglichkeiten mit einem klaren Ziel:
Kommunikation und Teilhabe sollen nicht davon abhängen, wie gut ein Mensch sprechen kann.
Text: Birger Holz. Sprachliche Überarbeitung mit Unterstützung von KI.